Das Verhalten von Stakeholdern entscheidet im Insolvenzverfahren maßgeblich darüber, ob eine Sanierung gelingt. Umso wichtiger ist es, sie über Auswirkungen und Perspektiven zu informieren. Doch sei vorsichtig: Wenn du sensible Informationen unstrukturiert herausgibst oder mit den falschen Empfängern teilst, riskierst du Unruhe oder Nachteile in den Verhandlungen.
Nicht alle Beteiligten brauchen alle Informationen. In einer Insolvenz-Pressemeldung steht nicht das Gleiche wie in einem Mitarbeiterschreiben. Ein Lieferant erhält andere Informationen als die Öffentlichkeit. Und ein potenzieller Investor bekommt sensible Unternehmensdaten erst, wenn entsprechende Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnet wurden.
Geraten bestimmte Details an die Falschen, könnte das Verhandlungen erschweren, Verwirrung und Unsicherheit schaffen und Vertrauen beschädigen. Kommunikation in der Insolvenz ist daher ein Drahtseilakt: zwischen dem Erhalt von Vertrauen durch Transparenz und dem Schutz von Handlungsspielräumen durch Vertraulichkeit.
Stakeholder identifizieren und bewerten
Um herauszufinden, welche Stakeholder welche Information erhalten sollten, müssen sie zunächst definiert werden.
Typische Gruppen sind:
- Beschäftigte
- Lieferanten und Kunden
- (Potenzielle) Investoren
- Öffentlichkeit und Medien
Im nächsten Schritt geht es um die Einordnung:
- Wie stark sind die einzelnen Stakeholder betroffen?
- Welche Bedenken und Bedürfnisse könnten entstehen?
- Wie groß ist ihr Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens?
Welche Informationen sind für Stakeholder jeweils relevant?
Im Folgenden eine Auswahl dazu, welche Informationen für die einzelnen Stakeholder in Verfahren in der Regel entscheidend sind und welche besser nicht kommuniziert werden.
MitarbeiterInnen sollten wissen:
- Falls der Betrieb weiterläuft und Löhne gesichert sind
- Welche Perspektive für den Betrieb besteht
- Falls Lösungen erarbeitet werden
- Ob und wie sie von Maßnahmen oder Veränderungen betroffen sind
Details zu Liquiditätsproblemen oder ungefilterte Inhalte zu laufenden Verhandlungen und möglichen Anpassungen könnten zu Verunsicherung, Gerüchten und Widerstand führen.
Kunden und Lieferanten sollten wissen:
- Falls das operative Geschäft und bestehende Aufträge weiterlaufen
- Wie künftig gezahlt wird
- Ob ihre Ansprechpartner bestehen bleiben
- Ob und wie die Zusammenarbeit fortgesetzt wird
Auf interne Krisendetails und strategische Überlegungen könnten sie sensibel reagieren – Unsicherheit führt schnell zu Auftragsstopps oder Lieferunterbrechungen.
Öffentlichkeit und Medien sollten wissen:
- Falls die Sanierung im Fokus steht, nicht Stillstand
- Falls der Betrieb fortgeführt werden soll
- Welche grundlegenden Faktoren zur Krise geführt haben
- Ob und wann eine finale Lösung erwartet wird
Sensible interne Zahlen, konkrete Infos zu Verhandlungen und eine zu detaillierte Ursachenanalyse können die Reputation belasten und damit das Verhalten aller Stakeholder beeinflussen.
Besonderheit bei der Kommunikation mit möglichen Investoren
Während andere Stakeholder vor allem Orientierung und Sicherheit benötigen, geht es hier um die Grundlage für konkrete Entscheidungen.
Potenzielle Investoren erwarten:
- Umfassende wirtschaftliche Daten
- Belastbare Zahlen
- Operative Details
- Realistische Einschätzung von Chancen und Risiken
Diese vollständige Transparenz ist notwendig, um den Wert des Unternehmens einzuordnen und fundierte Investitionsentscheidungen treffen zu können. Gleichzeitig gilt: Diese Offenheit findet ausschließlich unter strenger Vertraulichkeit und einer entsprechenden Vereinbarung statt.
Du willst dich während eines Verfahrens auf die Sanierung und das operative Geschäft konzentrieren? Kein Problem, wir kümmern uns um die Kommunikationsarbeit. Melde dich bei unserer Krisenspezialistin Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de
FAQ: Stakeholder-Kommunikation in der Insolvenz
Warum ist Kommunikation mit Stakeholdern in der Insolvenz wichtig?
Weil das Verhalten der Beteiligten den Verlauf des Verfahrens maßgeblich beeinflusst. MitarbeiterInnen, Kunden und Lieferanten entscheiden durch ihr Handeln und das Verhältnis zum Unternehmen mit darüber, ob eine Sanierung gelingt oder scheitert.
Sollte in der Insolvenz maximale Offenheit herrschen?
Nein. Transparenz ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Zu viele oder falsch herausgegebene Informationen können Verunsicherung auslösen oder Verhandlungen erschweren. Entscheidend ist die richtige Balance aus Transparenz und Vertraulichkeit.
Wer entscheidet, welche Informationen kommuniziert werden?
Das hängt vom Verfahren ab. In der Eigenverwaltung liegt die Verantwortung bei der Geschäftsführung, im Regelverfahren beim Insolvenzverwalter. In beiden Fällen ist eine enge Abstimmung mit allen Wissensträgern im Betrieb entscheidend.
Warum erhalten potenzielle Investoren mehr Informationen als andere Stakeholder?
Weil sie fundierte, richtungsweisende Entscheidungen treffen müssen. Dafür benötigen sie umfassende Einblicke in Zahlen, Strukturen sowie Chancen und Risiken – aber nur unter strenger Vertraulichkeit.
Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keine insolvenzrechtliche Beratung dar, wende dich bei Bedarf an deinen Anwalt, deine Anwältin mit entsprechender Expertise.


