Digitale Krisenkommunikation im Insolvenzverfahren: Chance oder Brandbeschleuniger?

Mal eben einen LinkedIn-Post zum Verfahren absetzen, das Team per Chat updaten oder schnell eine Mail an die Lieferanten schicken. Digitale Kommunikation in der Insolvenz ist effizient und wirkt unkompliziert. Doch Vorsicht: Digital darf niemals „mal schnell“ oder „oberflächlich“ bedeuten. Gerade im Netz ist jedes Wort ein potenzieller Brandbeschleuniger – hier brauchst du maximale Präzision statt blindem Aktionismus.

Was digitale Kommunikation im Insolvenzfall leisten kann

Digitale Krisenkommunikation ist heute eine wichtige Ergänzung zur klassischen Kommunikation über Pressemitteilungen, Aushänge, Betriebsversammlungen, persönliche Gespräche oder Anschreiben. Sie ermöglicht es, Informationen in Echtzeit und standortunabhängig zu verbreiten.

Richtig eingesetzt, können Website, Social-Media-Kanäle, Newsletter, Presseportale, Intranet und Onlineplattformen im Insolvenzfall helfen:

  • das Verfahren korrekt einzuordnen,
  • Handlungsfähigkeit zu zeigen,
  • Gerüchte früh einzudämmen,
  • Restrukturierungsziele aufzuzeigen,
  • Fragen zu beantworten,
  • Zukunftsperspektiven zu vermitteln und
  • Investoren zu suchen.

 

So lassen sich das Vertrauen von MitarbeiterInnen, Lieferanten, Kunden und der Öffentlichkeit sichern und Reputationsschäden begrenzen.

Doch die Medaille hat wie immer auch eine andere Seite.

Das Digitale verzeiht wenig

So groß die Chancen sind, die digitale Kommunikation bringt auch Risiken mit sich:

  • Auch negative Informationen verbreiten sich schnell, oft schneller als gedacht.
  • Schwierige Aussagen bleiben dauerhaft sichtbar. Screenshots sind schnell gemacht.
  • Emotionale Reaktionen schaukeln sich insbesondere in sozialen Medien schnell hoch.
  • Unklare Botschaften multiplizieren sich, das Info-Chaos nimmt zu.
  • Entgleisungen und rechtliche Fehltritte sind öffentlich dokumentiert.

 

Gerade während einer Insolvenz wird jedes Wort besonders aufmerksam wahrgenommen – von Beschäftigten, von Gläubigern, von potenziellen Investoren und nicht zuletzt von der Öffentlichkeit. Unklare, schwierige oder juristisch falsche Aussagen können laufende Verfahren torpedieren.

Vom Brandbeschleuniger zum Sanierungstreiber

Ob digitale Krisenkommunikation einen Insolvenzprozess unterstützt oder gefährdet, entscheidet allein die Anwendung. Während blinder Aktionismus das Vertrauen oft verspielt, schafft eine disziplinierte Strategie in der Regel die nötige Ruhe im Verfahren.

Digitale Krisenkommunikation entfaltet ihre positive Wirkung, wenn:

  • Intern vor Extern priorisiert wird: Beschäftigte dürfen niemals aus den sozialen Medien oder der Presse von Entwicklungen erfahren, die ihren eigenen Arbeitsplatz betreffen.
  • Kernbotschaften abgestimmt sind: Jede Zielgruppe braucht spezifische Antworten. Was darf raus, was bleibt (vorerst) intern? Ohne enge Abstimmung mit der Insolvenzverwaltung und BeraterInnen riskieren gut gemeinte Statements den Sanierungserfolg oder führen zu rechtlichen Fallstricken.
  • Die Tonalität sachlich bleibt: Zu emotional, zu kämpferisch, zu technisch oder zu optimistisch wirkt schnell unglaubwürdig. In der Insolvenz zählt eine ruhige, verständliche, sachliche Sprache.
  • Interaktion aktiv moderiert wird: Digitale Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Berechtigte Fragen sollten professionell beantwortet werden. Vorsicht: Nicht in emotionale Debatten hineinziehen lassen.
  • Vertraulichkeit gewahrt bleibt: Transparenz hat Grenzen. Gerade in sensiblen Phasen wie einem M&A-Prozess ist Zurückhaltung Pflicht, um laufende Verhandlungen nicht zu gefährden.

 

Du willst dich im Insolvenzfall nicht kommunikativ ausbremsen lassen? Wir wissen, worauf es ankommt, um Vertrauen zu sichern. Melde dich einfach bei Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de

Bild von Ilka Stiegler
Ilka Stiegler
Ilka Stiegler ist Geschäftsführerin und Expertin für Krisenkommunikation, Pressearbeit, Kommunikationsstrategie, Change Communication und mehr.

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