In einer wirtschaftlichen Krise stehen meist Zahlen im Mittelpunkt. Kommunikation wird dagegen, wenn überhaupt, als Randthema betrachtet. Die Praxis zeigt aber: Sanierungen scheitern vor allem dann, wenn Vertrauen verloren geht und Unsicherheit entsteht. Also dann, wenn nicht gut kommuniziert wurde. Mach’s besser!
Sanierung bedeutet im Kern, ein Unternehmen mithilfe insolvenzrechtlicher Instrumente neu aufzustellen. Strategie, Struktur und Finanzierung müssen also wieder zusammenpassen, damit der Geschäftsbetrieb nachhaltig fortgeführt werden kann. Während dieses Prozesses verändert sich jedoch die Wahrnehmung des Unternehmens durch sein Umfeld schlagartig. MitarbeiterInnen, Kunden, Lieferanten und Medien stellen zentrale, unangenehme Fragen:
- Läuft der Geschäftsbetrieb weiter?
- Sind die Arbeitsplätze sicher?
- Werden Löhne und Rechnungen weiterhin bezahlt?
- Können Waren geliefert werden?
- Müssen Standorte geschlossen werden?
- Welche Einschnitte sind vorgesehen?
- …
Um möglichst heil durch den Fragenhagel zu kommen, ist gute Krisenkommunikation entscheidend.
Krise = Kommunikation unter Druck
Viele gehen davon aus, dass Kommunikation in der Krise anderen Regeln folgt als im normalen Geschäftsbetrieb. Tatsächlich gelten jedoch dieselben Grundprinzipien wie in der „gesunden“ Unternehmenskommunikation: Transparenz, Klarheit, Verlässlichkeit und Dialog.
Der Unterschied liegt vor allem im Druck. In einer Krise sind auf einmal alle Augen auf das Unternehmen gerichtet. Der Informationsbedarf steigt schlagartig, Gerüchte verbreiten sich wie Lauffeuer und Missverständnisse haben unmittelbare Konsequenzen.
Typische Kommunikationsfehler in der Sanierung
1. Zu lange schweigen
Schlechte Nachrichten überbringt niemand gern. Aus Sorge, Unruhe auszulösen, warten viele daher, bis vermeintlich alle Details feststehen. Das Problem: In dieser Zeit entstehen häufig Gerüchte und Spekulationen. Ein Informationsvakuum bleibt selten lange bestehen. Wenn das Unternehmen selbst nichts sagt, tun es andere.
2. Beschönigen statt einordnen
Ebenso problematisch ist es, die Krise kleinzureden. Dauernde Durchhalteparolen oder zu optimistische Formulierungen wirken vielleicht kurzfristig beruhigend. Wenn die Realität jedoch anders aussieht, leidet schnell die Glaubwürdigkeit und die Motivation stürzt ab.
3. Widersprüchliche Botschaften
Wir kennen es alle: Tom ist anderer Meinung als Mareike. In der Krise sollte jedoch nicht jeder einfach seins machen. Wenn Geschäftsführung, Führungskräfte, Berater oder externe Partner unterschiedlich kommunizieren, entsteht sonst der Eindruck fehlender Kontrolle.
4. Kommunikation als einmalige Maßnahme missverstehen
„Wir machen einfach eine Betriebsversammlung. Dann ist alles gesagt.“ So funktioniert es leider selten. In einer Sanierung verändern sich Informationen laufend. Ohne regelmäßige Updates und verschiedene Kommunikationsformate entsteht schnell neue Unsicherheit – selbst dann, wenn sich inhaltlich gar nicht viel geändert hat.
5. Keine Perspektive vermitteln
Wenn die Pressemeldung, der LinkedIn-Post oder die Mitarbeiter-Info nur Probleme beschreibt, entsteht Resignation. Gerade in Krisensituationen brauchen die Betroffenen aber Orientierung.
Worauf es in der Sanierungskommunikation ankommt
Damit Kommunikation ihre stabilisierende Wirkung entfalten kann, sollten Unternehmen einige Grundprinzipien beachten:
- Früh informieren, auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind
- Probleme ehrlich benennen und gleichzeitig den Lösungsansatz erklären
- Zentrale Botschaften definieren und intern abstimmen
- Kommunikationsrhythmus und Formate etablieren
- Perspektiven klar vermitteln
Gelingt das, wird Kommunikation nicht zum zusätzlichen Krisenfaktor, sondern zu einem wichtigen Instrument, um Vertrauen zu erhalten und den Sanierungsprozess zu unterstützen.
Steht dein Unternehmen vor einer schwierigen Situation oder möchtest du sicherstellen, dass du im Krisenfall vorbereitet bist? Wir helfen dir. Melde dich gerne bei unserer Expertin Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder

