Trotz Insolvenz: Investoren und Neukunden überzeugen

Wenn eine Insolvenz droht oder bereits eingetreten ist, hat das nicht nur rechtliche und finanzielle Folgen. Es wirkt auch unmittelbar auf Vertrauen, öffentliche Wahrnehmung und Geschäftsentwicklung ein. Gerade bei Investoren und potenziellen Neukunden entstehen schnell Fragen nach Stabilität und Auftragssicherheit. Wer jetzt geordnet kommuniziert, kann Handlungsspielräume und Vertrauen erhalten.

In der Insolvenz geht es nicht nur darum, bestehende Probleme zu lösen. Entscheidend ist auch, ob das Unternehmen künftig wieder tragfähig wirtschaften kann. Dafür braucht es Signale aus zwei Richtungen. Von:

  • Investoren, die an die Zukunft des Unternehmens glauben: Sie bringen nicht nur frisches Kapital mit, sondern oft auch Know-how, Marktzugang und strategischen Rückenwind.
  • Neukunden, die bereit sind, Leistungen oder Produkte zu beauftragen: Sie senden Vertrauen in den Markt. Denn wer mitten in der Insolvenz neue Aufträge an Land zieht, beweist: Er hat ein weiterhin relevantes Angebot. Neue Kunden stabilisieren Umsatz, Auslastung und Liquidität. Und sie machen das Unternehmen für Investoren attraktiver.

 

Insolvenz bedeutet nicht automatisch das Ende

Das größte Problem: In den Köpfen vieler Menschen spukt beim Wort „Insolvenz“ immer noch das Bild von Auflösung und dem endgültigen Aus herum.

Dabei ist das Verfahren heute ein effektives Werkzeug, um einen Betrieb neu aufzustellen. Wenn das aber nicht aktiv klargestellt wird, entsteht schnell ein falsches Bild:

  • Investoren wittern unkalkulierbare Risiken, ungeklärte Altlasten oder eine schwache Zukunftsperspektive.
  • Neukunden fragen sich, ob Aufträge wirklich zuverlässig erfüllt werden können und ob sie sich durch eine Zusammenarbeit nicht selbst Risiken einhandeln.

 

Umso wichtiger ist eine klare und nachvollziehbare Kommunikation.

Investoren brauchen Substanz

Investoren wollen nicht hören, dass „alles wieder gut wird“. Sie wollen verstehen, warum ein Unternehmen Schwierigkeiten hatte und wie es künftig wieder tragfähig sein kann. Dafür braucht es:

  • Eine ehrliche Ausgangslage: Was ist passiert?
  • Eine klare Sanierungsthese: Warum ist das Unternehmen erhaltenswert?
  • Belastbare Zahlen: Wie sehen Umsatzentwicklung, Rohertrag und Auftragsbestand aus?
  • Konkrete Maßnahmen: Kostenreduktion, Bereichsschließungen, Vertragsanpassungen
  • Klarheit über die Rolle des Investors: Asset oder Share Deal?

 

Je weniger Nebel bleibt, desto besser.

Wie werden mögliche Investoren erreicht?

Potenzielle Investoren werden in der Regel nicht allein durch Pressearbeit oder Social Media überzeugt, sondern über einen strukturierten Investorenprozess.

Dazu gehören unter anderem:

  • E-Mail-Ansprache mit Teaser: Oft der Türöffner. Ein Teaser fasst Infos zu Unternehmen, Ausgangslage, wirtschaftlicher Perspektive und einer möglichen Transaktion zusammen.
  • Vertrauliche Gespräche und Vor-Ort-Termine
  • Sanierungskonzept

 

Neukunden brauchen Verlässlichkeit

Mögliche Kunden erfahren meist über Presse, Website, LinkedIn oder den Markt, dass ein Unternehmen insolvent ist. Die öffentliche Kommunikation darf sie deshalb nicht direkt abschrecken. Gleichzeitig muss der Vertrieb darauf vorbereitet sein, wenn die typischen Fragen eintrudeln:

  • „Läuft der Geschäftsbetrieb weiter?“
  • „Wird mein Auftrag wirklich zuverlässig bearbeitet?“
  • „Habe ich feste Ansprechpartner?“
  • „Stimmen Qualität und Service trotz Krise?“

 

Entscheidend ist ein einheitliches Bild über alle Kanäle hinweg: sachlich, transparent und nicht beschönigend. Das nimmt Unsicherheit und schafft Vertrauen.

Wir helfen dir, auch in schwierigen Situationen klar und zielgerichtet zu kommunizieren. Sprich gern mit unserer Expertin Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de

 

Disclaimer: Der Beitrag wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, ersetzt aber in keinem Fall eine Rechtsberatung. Diese kann nur ein Rechtsanwalt mit entsprechender Fachexpertise leisten.

 

FAQ: Insolvenzkommunikation gegenüber Investoren und Neukunden

Warum ist Kommunikation in der Insolvenz so wichtig?

Weil die Krise schnell Unsicherheit auslöst. Investoren, Kunden und Marktteilnehmer fragen sich, ob das Unternehmen noch stabil ist, ob Aufträge erfüllt werden können und ob eine Zukunftsperspektive besteht. Klare Kommunikation hilft, Vertrauen zu erhalten und Gerüchten vorzubeugen.

Bedeutet Insolvenz automatisch das Ende eines Unternehmens?

Nein. Eine Insolvenz kann in vielen Fällen auch ein geordnetes Verfahren sein, um ein Unternehmen neu aufzustellen und fortzuführen. Entscheidend ist, dass diese Perspektive verständlich kommuniziert wird.

Wie können Investoren trotz Insolvenz überzeugt werden?

Investoren brauchen Substanz. Wichtig sind eine ehrliche Ausgangslage, belastbare Zahlen, eine klare Sanierungsthese, konkrete Maßnahmen und Transparenz darüber, welche Rolle ein Investor übernehmen kann.

Wie werden potenzielle Investoren angesprochen?

Meist über einen strukturierten Investorenprozess. Dazu gehören häufig ein Teaser, vertrauliche Gespräche, Vor-Ort-Termine, Kaufverhandlungen und ein Sanierungskonzept. Begleitende Pressearbeit oder Social-Media-Beiträge können zusätzlich Vertrauen schaffen.

Was wollen potenzielle Neukunden in der Insolvenz wissen?

Sie wollen vor allem Sicherheit: Wird der Geschäftsbetrieb fortgeführt? Wird zuverlässig geliefert? Gibt es feste Ansprechpartner? Sind Qualität und Service gesichert? Öffentliche Kommunikation und Vertrieb sollten darauf klare Antworten geben.

Sollte eine Insolvenz öffentlich kommuniziert werden?

Unserer Erfahrung nach macht das in vielen Fällen Sinn. Wer schweigt, riskiert, dass Kunden oder Investoren Vertrauen verlieren. Wer frühzeitig eine Pressemeldung, LinkedIn-Beiträge und weitere Kommunikationsmittel aufsetzt und sachlich, transparent und nicht beschönigend kommuniziert, hat meist bessere Karten.

Was sollte bei der Insolvenzkommunikation vermieden werden?

Unklare Aussagen, reine Durchhalteparolen und Beschwichtigungen. Aussagen wie „Die Insolvenz hat keine Auswirkungen“ wirken oft unglaubwürdig. Besser ist es, klar zu sagen, was weiterläuft und wie der Geschäftsbetrieb stabilisiert wird.

Bild von Ilka Stiegler
Ilka Stiegler
Ilka Stiegler ist Geschäftsführerin und Expertin für Krisenkommunikation, Pressearbeit, Kommunikationsstrategie, Change Communication und mehr.

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