Damit das negative Bild nicht bleibt: Was tun bei schlechter Presse?

Es ist passiert: Ein Medium berichtet unausgewogen über dein Unternehmen. Der erste Impuls ist häufig: Anwalt einschalten, Gegendarstellung fordern, Unterlassung beantragen. Das kann richtig sein, sollte aber nicht die primäre Reaktion bleiben. Denn der Artikel ist bereits erschienen, wurde gelesen, geteilt und diskutiert. Die Verunsicherung ist längst da.

Mit „schlechter Presse“ verbinden die meisten vermutlich Beiträge voller Falschaussagen. Doch auch richtige Fakten können ein einseitiges oder dauerhaft negatives Bild erzeugen, wenn wichtige Zusammenhänge und Einordnungen fehlen.

Mögliche Auslöser für solche Beiträge:

  • Wirtschaftliche Krisen
  • Entlassungen
  • Standortschließungen
  • Rechtsstreitigkeiten
  • Kundenbeschwerden
  • Interne Konflikte

 

Woher die Medien die Infos und Hinweise dazu bekommen? Häufig von ehemaligen Mitarbeitenden, Kunden, Wettbewerbern, Betriebsräten oder Geschäftspartnern. Hinzu kommen öffentlich zugängliche Quellen wie Gerichtsurteile, Jahresabschlüsse, Registereinträge, Online-Bewertungen oder Social-Media-Beiträge.

Was kann schlechte Presse anrichten?

Ein unfairer Artikel kann weit über die Veröffentlichung hinauswirken:

  • Beschäftigte werden verunsichert, BewerberInnen springen ab.
  • Kunden und Geschäftspartner hinterfragen die Zusammenarbeit.
  • Banken und Investoren prüfen genauer und verhandeln zurückhaltender.
  • Andere Medien greifen das Thema auf und verstärken das negative Bild.

 

Aus einem Reputationsproblem kann so schnell ein nachhaltiges wirtschaftliches Risiko werden. Deshalb reicht es nicht, den ersten Beitrag nur juristisch zu prüfen.

How-to: kommunikativ auf schlechte Presse reagieren

Um Vertrauen zurückzugewinnen und zu verhindern, dass sich Unsicherheit und ein einseitig negatives Bild verfestigen, braucht es eine positiv gerichtete und kanalübergreifende Kommunikation – intern wie extern. Dabei geht es nicht darum, Probleme schönzureden oder berechtigte Kritik mit Erfolgsmeldungen zu übertünchen.

Stattdessen:

1. Fakten klären und Botschaften abstimmen

  • Was stimmt? Was ist falsch oder verkürzt dargestellt?
  • Welche Informationen können veröffentlicht werden?

Auf dieser Grundlage entstehen Kernbotschaften für alle Kommunikationskanäle.

2. MitarbeiterInnen, Partner und Medien informieren

  • Versammlungen, Beiträge im Intranet, FAQs und regelmäßige Updates geben MitarbeiterInnen Orientierung.
  • Persönliche Gespräche, Newsletter oder direkte Anschreiben schaffen Sicherheit bei Kunden, Investoren und Banken.
  • Sachliche Stellungnahmen und belastbare Fakten verhindern, dass nur KritikerInnen die Geschichte bestimmen.

3. Neue Themen und positive Signale setzen

Nach der ersten Abwehrreaktion sollte das Unternehmen wieder zeigen, wofür es im Kern steht, was es leistet und wie es sich weiterentwickelt. So werden nach und nach wieder andere, essenzielle Facetten des Betriebs sichtbar. Wichtig: Die Inhalte müssen glaubwürdig zur Situation passen. Eine plötzliche Flut belangloser Meldungen wirkt schnell wie ein Ablenkungsversuch.

Geeignet sind zum Beispiel:

  • Interviews mit der Geschäftsführung
  • Fachbeiträge zu relevanten Branchenthemen
  • Einblicke in laufende Projekte
  • Beiträge über die Unternehmenskultur

 

Noch besser ist es natürlich, diese Kommunikation nicht erst nach einer negativen Veröffentlichung zu beginnen. Wer Mitarbeitende, Kunden, Geschäftspartner und Medien kontinuierlich informiert, schafft Vertrauen und baut ein differenziertes, öffentliches Bild des Unternehmens auf. Im Krisenfall bestehen dann bereits belastbare Beziehungen, etablierte Kanäle und kommunikative Glaubwürdigkeit.

Du möchtest dich auf eine solche Situation vorbereiten oder hast gerade akut mit negativer Presse zu kämpfen? Sprich gern mit Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de

 

FAQ: Schlechte Presse und Reputationsmanagement

Was sollten Unternehmen nach einem kritischen Bericht zuerst tun?

Zunächst sollten die Aussagen geprüft und intern eingeordnet werden: Was stimmt, was ist falsch oder verkürzt dargestellt? Danach sollten rechtliche und kommunikative Schritte abgewägt werden. Wichtig ist, weder überstürzt zu reagieren noch vollständig zu schweigen.

Reicht eine rechtliche Reaktion aus?

Nein. Eine Gegendarstellung, Korrektur oder Unterlassung kann sinnvoll sein, beseitigt aber nicht automatisch die Verunsicherung bei Mitarbeitenden, Kunden, Geschäftspartnern oder Banken. Deshalb braucht es parallel eine interne und externe Kommunikation. Nicht selten lohnt es sich auch, mit der entsprechenden Redaktion Kontakt aufzunehmen und auf direktem Weg eine Lösung zu suchen. Meist ist dies nachhaltiger als der reine Rechtsweg.

Wie sollte die interne Kommunikation bei schlechter Presse aussehen?

Die Kommunikation sollte abgestimmt, verständlich und über alle Kanäle hinweg widerspruchsfrei sein. Intern geht es vor allem darum, Orientierung zu geben, Fragen zu beantworten und Spekulationen zu vermeiden.

Und die externe Antwort?

Extern sollten Unternehmen die Situation sachlich einordnen, belastbare Fakten nennen und zeigen, welche Schritte sie einleiten. Wichtig ist, dass nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich kommuniziert wird.

Sollte ein Unternehmen nach schlechter Presse positive Themen veröffentlichen?

Ja, sofern diese glaubwürdig sind und zur aktuellen Situation passen. Interviews, Fachbeiträge, Projektberichte oder Einblicke in die Unternehmenskultur können wieder andere Facetten des Unternehmens sichtbar machen. Aber Achtung: Eine plötzliche Flut beliebiger Erfolgsmeldungen wirkt schnell wie Ablenkung.

Wie lässt sich schlechter Presse vorbeugen?

Wer Beziehungen zu Mitarbeitenden, Kunden, Partnern und Medien langfristig pflegt, verfügt im Krisenfall bereits über etablierte Kanäle und kommunikative Glaubwürdigkeit.

Bild von Ilka Stiegler
Ilka Stiegler
Ilka Stiegler ist Geschäftsführerin und Expertin für Krisenkommunikation, Pressearbeit, Kommunikationsstrategie, Change Communication und mehr.

Unsere neuesten fachlichen Beiträge

News & Informationen aus unserem Maschinenraum