Die Nachricht, auf die alle gewartet haben, ist da: Ein Investor ist gefunden, die Fortführung ist gesichert. Erst mal durchatmen? Eher nicht. Denn für GeschäftsführerInnen und Übernehmende beginnt jetzt die nächste große Aufgabe: den Neustart gestalten, die weiteren Schritte klären und MitarbeiterInnen und Geschäftspartnern Veränderungen vermitteln. Aus Krisenkommunikation wird Change Communication.
„Investor gefunden“ ist erstmal eine gute Nachricht. Sie reicht aber auf lange Sicht nicht aus. Denn MitarbeiterInnen, Kunden und Lieferanten fragen sich, wer der neue Eigentümer ist, welche Pläne er hat und was sich für sie verändert beziehungsweise was die Übernahme für die weitere Zusammenarbeit bedeutet.
Klar, nicht jede Antwort wird am Tag der Vertragsunterzeichnung feststehen. Trotzdem sollte klar kommuniziert werden:
- Was ist bereits entschieden?
- Was bleibt vorerst unverändert?
- Welche Fragen werden erst in den kommenden Wochen geklärt?
Wichtig: Ein vorschnelles „Jetzt geht es wieder aufwärts“ hilft wenig, solange wichtige Entscheidungen noch ausstehen.
Erst intern erklären, dann extern kommunizieren
Die gute Nachricht soll natürlich schnell nach draußen. Trotzdem sollten MitarbeiterInnen nicht über eine Pressemitteilung oder LinkedIn von der Übernahme erfahren. In einer Mitarbeiterversammlung oder einem Townhall-Format muss daher frühzeitig erklärt werden, wer der Investor ist und wie die nächsten Schritte aussehen. Idealerweise stellt sich auch der neue Investor selbst vor und beantwortet Fragen. Eine schriftliche Zusammenfassung kann anschließend die wichtigsten Punkte festhalten.
Auch Geschäftspartner sollten möglichst persönlich angesprochen werden. Für sie zählen konkrete Aussagen:
- Bleiben Ansprechpersonen bestehen?
- Werden Aufträge wie vereinbart ausgeführt?
- Ändern sich Abläufe?
Was verändert sich für wen und ab wann?
Mit einem Investoreneinstieg ändern sich häufig Verantwortlichkeiten, Strukturen, Strategien oder das Management. Ein neues Organigramm erklärt aber noch nicht, was sich im Arbeitsalltag ändert. Führungskräfte müssen deshalb früh wissen, welche Entscheidungen getroffen wurden und was sie ihren Teams sagen können. Gleichzeitig sollten Fragen der MitarbeiterInnen ernst genommen, zurückgespielt und in der weiteren Kommunikation aufgegriffen werden.
Kommunikationsstrategie für den Neustart
Wichtig ist: nicht ohne Konzept kommunizieren. Denn eine neue Website, interne News oder Pressemitteilung kann noch so gut gemacht sein. Wenn aber (noch) unklar ist, ob das Geschäftsmodell bestehen bleibt, welche Leistungen und Geschäftsfelder ausgebaut, welche aufgegeben werden und welche Märkte, Kundengruppen und Ziele künftig im Fokus stehen, fehlt die Grundlage.
Erst wenn die Richtung klarer ist, lässt sich daraus eine Kommunikationsstrategie für den Neustart ableiten. Sie sollte die Unternehmensstrategie in interne und externe Kommunikation übersetzen.
Der Außenauftritt gehört auf den Prüfstand
Bleiben Name und Marke erhalten? Wird das Unternehmen in eine Gruppe integriert? Können Corporate Design, Bildwelt und Leistungsbeschreibungen bestehen bleiben?
Website, Social Media, Präsentationen, Vertriebsunterlagen, Pressebereich, Stellenanzeigen, Karriereseite und Unternehmensprofile müssen zur neuen Ausrichtung passen. Steht online noch die alte Geschäftsführung oder sind Leistungen zu finden, die längst gestrichen wurden, erzählt der Außenauftritt die falsche Geschichte.
Nach der Krise wieder mit eigenen Themen sichtbar werden
Während einer Restrukturierung oder Insolvenz wird ein Unternehmen öffentlich schnell auf die Krise reduziert. Nach der Übernahme sollte deshalb auch die aktive Pressearbeit wieder anlaufen. Sie kann mit der Zeit wieder ein breiteres Bild vermitteln: durch Berichte über neue Aufträge, Investitionen, Produkte oder Interviews zur strategischen Ausrichtung. Gleichzeitig unterstützt sie die neue Positionierung.
Du begleitest einen Neustart nach Restrukturierung oder Insolvenz? Ilka Stiegler unterstützt dich bei der Kommunikation: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de
Add-on: Kommunikationscheck nach dem Investoreneinstieg
Direkt nach der Entscheidung
- MitarbeiterInnen möglichst persönlich und vor der externen Veröffentlichung informieren.
- Den Investor vorstellen und Raum für Fragen schaffen.
- Wichtige Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner direkt ansprechen.
- Sagen, was feststeht und welche Entscheidungen noch offen sind.
In den ersten Wochen
- Führungskräfte briefen und in die Change Communication einbinden.
- Veränderungen konkret machen: Was ändert sich für wen und wann?
- Unternehmensstrategie klären: Geschäftsmodell, Produkte und Dienstleistungen, Märkte, Zielgruppen und Ziele.
- Prüfen, welche Auswirkungen sich daraus für Marke, Name, Positionierung und Arbeitgeberauftritt ergeben.
Kommunikation neu aufstellen
- Kommunikationsziele und relevante interne und externe Zielgruppen neu bewerten.
- Positionierung und zentrale Themen aus der Unternehmensstrategie ableiten, Kommunikationsstrategie entwickeln.
- Interne Kommunikation und Change-Formate planen.
- Arbeitgeberkommunikation und Recruiting an die neue Ausrichtung anpassen.
- Website, Social Media, Vertriebs-, Presse- und Recruitingmaterialien überprüfen und aktualisieren.
- Pressearbeit neu aufsetzen: relevante Themen und Medien definieren, geeignete Ansprechpartner im Unternehmen festlegen und einen Themenplan für die kommenden Monate entwickeln.
- Kanäle, Formate, Budgets, Verantwortlichkeiten und einen realistischen Fahrplan festlegen.
In den folgenden Monaten
- Veränderungen und Fortschritte weiter intern begleiten.
- Regelmäßig über das operative Geschäft und die neue Ausrichtung kommunizieren.
- Prüfen, welche Fragen MitarbeiterInnen, Kunden, BewerberInnen und Geschäftspartner weiterhin beschäftigen und bei Bedarf nachsteuern.
Wer nach dem Investoreneinstieg ohnehin Geschäftsmodell, Strukturen und Strategie überprüft, sollte die Kommunikation gleich mit auf den Tisch legen. Sonst ist das Unternehmen möglicherweise schon neu aufgestellt und kommuniziert noch wie das alte.


