Krise ohne Neuigkeiten: Was kommunizieren, wenn es „nichts“ zu sagen gibt?

„Gibt es Neuigkeiten?“ Diese Frage kommt in Restrukturierungs- und Sanierungsprozessen immer wieder. Von MitarbeiterInnen, Kunden, Lieferanten oder JournalistInnen. Und manchmal muss die ehrliche Antwort lauten: nein. Und trotzdem sollte die Kommunikation nicht wochenlang aussetzen. Doch was wird dann kommuniziert?

Die Investorensuche läuft, Gespräche mit Banken dauern an oder wichtige Entscheidungen stehen noch aus. Im Hintergrund ist also viel in Bewegung, aber nichts davon spruchreif. Gar nichts zu sagen, erscheint da zunächst logisch. Doch: Auch ohne Neuigkeiten sollte es Updates geben. Die dürfen aber weder zu lang sein noch zu viel versprechen.

Auch „noch keine Entscheidung“ ist eine Information

Nehmen wir einen laufenden Investorenprozess. Die Beschäftigten wissen, dass Gespräche geführt werden. Drei Wochen später gibt es aber noch immer keinen Abschluss. Ein Update kann dann so aussehen:

„Die Gespräche mit möglichen Investoren laufen weiter. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert. Wir halten Sie weiter auf dem Laufenden.“

Wichtig ist bei solchen Informationen, sauber zu trennen: Was ist gesichert? Was ist noch offen? Und was sollte noch nicht kommuniziert werden?

Keine Standardbotschaften rausgeben

Nicht jeder braucht dieselben Infos. Entscheidend ist, welchen konkreten Wissensbedarf der jeweilige Empfänger hat. Daran ist die Botschaft auszurichten.

MitarbeiterInnen wollen in der Regel wissen, ob sich für ihren Arbeitsplatz etwas verändert, wie der Zeitplan aussieht und wann sie wieder informiert werden.

Kunden interessiert vor allem, was die Situation für ihre Aufträge bedeutet: „Der Investorenprozess läuft weiter. Ihre Aufträge werden wie vereinbart bearbeitet und Ihre bisherigen Ansprechpersonen bleiben bestehen.“ Tipp: Bei wichtigen Kunden empfiehlt sich das persönliche Gespräch.

Die Presse braucht einen belastbaren Sachstand, ohne dass vertrauliche Informationen preisgegeben werden. Etwa: „Der Investorenprozess dauert an. Zu laufenden Gesprächen können wir derzeit keine Angaben machen.“

Keine Neuigkeiten erfinden oder Phrasen abspulen

Wenn wenig zu berichten ist, tauchen schnell Formulierungen auf wie „Die Gespräche verlaufen konstruktiv“ oder „Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung“. Das mag stimmen. Nach der dritten Wiederholung hilft es den EmpfängerInnen trotzdem nicht weiter. Praxistipp: Immer die Frage stellen „Was können wir aktuell sagen, was für die jeweilige Zielgruppe relevant ist?“

Vielleicht hat sich der Zeitplan verschoben oder der Geschäftsbetrieb wurde weiter stabilisiert. Das sind Infos, mit denen sich ein brauchbares Update formulieren lässt. Bei Unternehmensverkäufen, Finanzierungsverhandlungen oder Personalfragen kann zudem Vertraulichkeit Grenzen setzen. Dann hilft eine klare Aussage wie „Zu den laufenden Verhandlungen können wir derzeit keine Details nennen.“

Wer News ankündigt, sollte sich auch melden

Es wurde ein neuer Sachstand versprochen? Die erhoffte Entscheidung ist aber noch nicht gefallen? Das Update deshalb ausfallen zu lassen, wäre unklug.

Stattdessen kann es heißen: „Wir hatten gehofft, Ihnen heute bereits eine Entscheidung mitteilen zu können. Die Gespräche dauern jedoch an. Unser nächstes Update geben wir, sobald neue Informationen vorliegen.“

Bei längeren Prozessen empfiehlt sich zudem ein fester Kommunikationsrhythmus. Dabei sollte klar sein, wer informiert werden muss, wer Inhalte freigibt und wer persönliche Gespräche mit wichtigen Partnern übernimmt. Zudem sollte bei überraschenden Entwicklungen nicht unnötig mit deren Verkündung gewartet werden.

Add-on: Checkliste für Updates in der Krise

  • Was hat sich seit dem letzten Update verändert?
  • Was gilt unverändert weiter, etwa Geschäftsbetrieb oder Lieferfähigkeit?
  • Was möchte die jeweilige Zielgruppe konkret wissen?
  • Was können wir gesichert sagen und was nicht?
  • Wann informieren wir wieder?

 

Du möchtest in Krise und Sanierung verlässlich kommunizieren? Sprich mit unserer Expertin Ilka Stiegler: +49 351 43755 11 oder stiegler@abg-partner.de

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Ilka Stiegler
Ilka Stiegler ist Geschäftsführerin und Expertin für Krisenkommunikation, Pressearbeit, Kommunikationsstrategie, Change Communication und mehr.

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